Donnerstag, 15. Juni 2017

Unangenehme Werbung


Als ich diese Reklame sah, fand ich sie auf Anhieb unsymphatisch
und wußte aber nicht so recht, warum.

Wegen der Verlogenheit?
Der Beschimpfung oder der Doofheit?
Ist "BIO" jetzt die neue Beleidigung -  statt "ÖKO" ?
Falls das Haus nicht gesund ist, kommt dann der Architekt,
oder der Hausarzt?
Wann habe ich das letzte Mal
so schlecht reingebastelten Qualm gesehen?
Stellt der Typ einen Interessenten dar,
oder den Verkäufer?
Schlägt das Haus Alarm, wenn er sich mit
Zigarre und Fuselglas in die gute Stube setzt?
Wer will solch einen Rasen?
Was hat der Kerl im Visier - ein Unkraut, die Zukunft,
oder den unfrisierten Nachbarn?
Denkt er just:
" Ich bin garantiert ein Depp, will aber nicht so aussehen!"
Lassen sich Neugierige von der billigen blau/grün - Nummer ködern?

Fragen über Fragen.


Freitag, 2. Juni 2017

Malen

Früher, wenn ich Langeweile hatte, oder auch nur so,
habe ich gemalt.
Nachdem ich die letzten Jahre (Jahrzehnte)
keine Langweile mehr hatte und auch die Fähigkeiten
an Grenzen kamen, ist das komplett eingeschlafen.

Anfang der Woche war sie plötzlich wieder da, die Frage:
Was soll ich jetzt machen?
Garten? Näää - zu heiß.
Schläfchen? Bin zu wach.
Keller aufräumen? Hau bloß ab!
M a l e n ? Echt ? Wieso?
Wieso nicht?
Erstmal die Utensilien zusammen suchen...


Hömma, wo sind die ganzen Bleistifte geblieben?
Wieso hatte ich damals eine Vorliebe für Krapplack,Indigo und Rot?

Ok, eine Vorlage muß her - im Garten gibt es genug.

Erstmal eine grobe Skizze
Dann mit meinem zweitliebsten Pfuschinstrument die Linien
soweit unkenntlich machen, das man nur noch so gerade erahnen kann,
wo was hinkommt.
Bißchen korrigieren...
Hier hatte ich dann schon die Faxen dicke und wollte hinschmeißen.
Wieso ist das auch oben bauchig?
Wie arbeite ich nochmal Ton in Ton, ohne das es eine Suppe wird?
Und ohne diese blöden Ränder beim auftrocknen?
Streckenweise über den Rand gemalt, wie früher, im Malbuch.

Völlig vergessen hatte ich, wie tückisch Aquarellfarbe ist.

Da man mit Buntstiften, Radierstieft, Allstift und Co.
aber noch einiges retten kann, habe ich dann doch weiter gemacht.
Allerdings am nächsten Tag.
Der Radierstift ist eine feine Sache,
leider wird das Papier sehr rauh.
Das "bauchige" oben, nervte mich noch recht lange,
irgendwann habe ich einfach drüber hinweg gesehen.
Am Ende bin ich froh, wieder mal 'nen Pinsel in der Hand zu haben
und merke deutlich den Unterschied zu unsinnigen Beschäftigungen.












Samstag, 20. Mai 2017

Kleinanzeige

Ein Freund hat mich gebeten,
seinen Wagen zum Verkauf ins Netz zu stellen,
ruhig auch hier.
Je mehr Publikum, desto besser.
Also dann :





 Volvo P 544
Bj. 1964
ca. 90Tsd gelaufen, alltagstauglich, auf Wunsch TÜV neu.
Zustand gut.
Preis: Nicht wirklich teuer, für so'n Schmuckstück.

Falls jemand will, leite ich gerne die Telefonnummer weiter.


Freitag, 19. Mai 2017

Dies und das aus 1966

Zuerst dachte ich:
HÄÄÄ ??
Wie können die so ruhig da sitzen,
obwohl die Kumpanen schon aufgeknüpft sind ?

 Was gab es noch?
 Schöne Autos

Erste Markenzeichen

Ein klares Frauenbild

Diese suuuuperfiiiiesen Milchschläuche

Gleichscharfe Programme

Wenig später sogar in Farbe.









Freitag, 28. April 2017

Glück im Unglück im Glück im Unglück

Letzte Woche Mittwoch war ich mit 'nem Freund
in Düsseldorf zur Cranach - Ausstellung.
Die Ausstellung war ok, die letzten 10 km der ca. 60 km - Anreise
waren ein Fiasko.
Dank Navi sind wir in Sichtweite zum Museum auf einer Strasse
ohne Wendemöglichkeit noch diverse Kilometer
in das städtische Getümel eingedrungen, bevor wir letztlich
das " mit direktem Museumszugang" versehene Parkhaus erreichten.
Die Tafel an der Einfahrt zeigte deutlich:
Anzahl der freien Plätze : 0
Durch geschickte/semilegale Fahrmanöver und einer
mittlerweile vernünftigen " BOHAR Arschlecken"- Einstellung,
ergatterten wir einen KOSTENLOSEN Parkplatz
kaum 70m vom Museum entfernt.
Keine Warteschlange an der Kasse,
Audioguide und restliches Museum für nur 12,- Ocken,
zwei geführte Besuchergruppen, sonst wenig Betrieb,
viel Platz und Muße für uns.
Danach 2 Stk. Kuchen mit Kaffee: 14,50 + Trinkgeld.
Ok - eins war mit Sahne.

Der Rückweg; Der gleiche Navi - Mist.
Wir haben das Ding dann ausgeschaltet, die kilometerlangen
Umwege waren selbst für Dorftrottel zu erkennen.

Ich bring Freund M. nach hause, die Anzeigen im Auto
fangen an zu spinnen.
Einkaufen muss ich noch, das Gefühl sagt,
die Kiste geht gleich aus.
Bis auf den Parkplatz von Rewe reicht es gerade noch.
Der Wagen örgelt nur noch rum, springt nicht an.

Mein persönlicher gelber Engel, den ich Tag und Nacht
anrufen kann und der mich schon mehrfach gerettet hat,
ist leider seid Ostern in Norddeutschland.
Ich rufe ihn trotzdem an, manchmal hat er einen
Telefontrick ( " ruckel mal an demunddem Stecker")
Er geht ran und ist gar nicht am anderen Ende der Welt,
sondern noch zuhause, YEAHR!

Wir vereinbaren für den Folgetag um 9.00 ein Treffen,
er hat schon eine Ahnung und bringt die nötigen Teile mit.
9.10 stellt sich heraus:
Nix Schlimmes, springt auch wieder an,
aber er muss den Wagen für 2 Stunden mitnehmen.
Wir tauschen die Autos, beide Volvo Bj.1990.

Ich bin guter Dinge, kann ich mir doch noch schnell
den Hund schnappen und mit ihm
zur wöchentlichen "Spielstunde" fahren (90min für 5,-).
Eine große, eingezäunte Wiese und ein Dutzend
andere Hunde...das lohnt sich auch für 45 min. noch.

Ich park rückwärts aus und BANG...
fahr mit 4 Kmh einen geparkten Kleinwagen an.
So ein Scheiß ist mir das letzte Mal vor 20 Jahren passiert.
Am Volvo ist ein Rücklichtglas defekt - der Kleinwagen
hat eine solche Beule, das ich mich gefragt habe,
ob die nicht schon vorher da war.

Im Kleinwagen eine umgeklappte Rückbank
mit jeder Menge Anstreicherutensilien.
Am Kleinwagen ein polnisches Kennzeichen.
Wir warten.
Genau DIE Jungs, die man sich so vorstellt kommen dann auch.
Beide zuerst etwas angepisst, dann aber locker und nett.
Sie haben keine Lust auf Papierkram und so bekommen sie
meine komplette Barschafft in Höhe von 170,- + 50,-
die mein Gelber Engel noch dabei hat.

Auf zur Spielstunde....
Das Gelände liegt weit außerhalb, nur Felder,
ein Bauer, ein Gestüt, zwei Landstraßen.
Normalerweise ist der Hund in etwa so drauf:





Wenn er eine Fährte hat, eher so:
Am Spielgelände angekommen, ist die Heckklappe kaum halb auf,
zischt der Hund ab, wie eine Rakete.
Ich habe nicht aufgepasst - direkt am Wegesrand sitzen 2 Hasen.
Das Feld, über welches nun drei Tiere auf Leben und Tod sprinten,
steigt leicht an.
So sind alle nach wenigen Sekunden aus meinem Blick verschwunden.
Bis ich auf der Anhöhe ankomme, dauert wesentlich länger.
Weit und breit nichts zu sehen.
Ich peile geradeaus, Richtung Bauernhof, ca 200m. Dort wird gebellt,
als plötzlich ebenfalls in 200m, aber links, eine Gruppe von 5 Rehen
aus den Büschen bricht, welche die Felder begrenzen.
Wer ist knapp 5 Meter dahinter?
Die Gruppe teilt sich, der Hund verfolgt zwei und reagiert
keinen Sack auf Zuruf.
Sie jagen in jetzt 100 m Entfernung an mir vorbei,Richtung Straße.
Die Anmut aller Beteiligten, außer mir, ist beeindruckend.
Ich krieg Angst, die Straße ist befahren.
Zu weit weg, renne ich trotzdem wie verrückt,
denn die Tiere und der Wagen werden sich genau treffen,
keiner verringert das Tempo.
Zehn Meter hinter dem PKW fegt die Dreiergruppe über
den Asphalt und ist auch gleich in der Böschung,
wieder raus, aus meinem Sichtfeld.
Ich renne und renne, da taucht der Hund auf -
nochmal über die Straße auf dem Weg zu mir zurück.
Voll aus der Puste und überglücklich.
Auch der Hund.

Die restlichen 20 min.Spielstunde
waren dann aber gratis.



Mittwoch, 5. April 2017

m. impossible

Das man bei Ge Em Ix und Co.
immer daran erinnert wird, was, man sich die letzten Tage
so im Netz angeschaut hat....Hotelvorschläge/Kaufempfehlungen etc...
...nun gut.
AAAAAAAAAber:
Kann es sein, das der Typ von Parship nur aussieht wie Tom Cruise,
weil wir etwas in seiner Filmhistorie geschnuppert haben?
Kann nicht, oder?

Seitdem ich erfahren habe, das B.urger K.ing in China
einen Gesichts-Scan seiner Kunden macht,
um beim nächsten Besuch ein passendes Menü vorschlagen zu können,
wundert mich fast nichts mehr.

Und noch ein kleiner Filmtipp:
"Eye in the sky" mit Helen Mirren.
Obwohl nicht viel passiert, ist er recht spannend
und übelst glaubwürdig.

Dienstag, 28. März 2017

Leichen im Keller

Der Bär ist stattlich und hinter Gittern,
ich bin für ihn verantwortlich.
Plötzlich kommt er durch die Stäbe,
wie das Ei durch den Eierschneider - völlig unversehrt.
Unmöglich!
Während ich noch nach einer Erklärung suche,
ist er schon bedrohlich.

Hektisch und überfordert
wache ich auf.

Donnerstag, 9. März 2017

Außerirdisches Leben

An einem dieser nicht enden wollenden Abende,
philosophierten Herr Zett und ich so vor uns hin.
Es tauchte die Frage nach den Konsequenzen auf,
sollte tatsächlich Leben von einem anderen Planeten
absichtlich auf der Erde  landen.
Möglicherweise hier im Garten!
Nach allen nur denklichen Varianten, erschien uns eindeutig
am gruseligsten, wenn das genau so Doofies wären wie wir,
nur 800 Jahre weiter.
Immerhin hatten wir auch zügig eine bereits vergessenen
Geschäftsidee parat.

Samstag, 4. März 2017

Genuschel

Mein Frau holt die Post aus dem Briefkasten,
kommt, in einem Brief lesend, zurück ins Wohnzimmer.
Ich frag : " War da noch mehr ?"
Sie : " Ja, 'n Termin für AlQaida."
Ich : " Für WATT ?"
Sie: " EIN TERMIN FÜR ALTKLEIDER !"
Ich : " Ah,,,,ok.!"

Die gerade in meinem Bekanntenkreis kursierenden
Geriatriewitze werden langsam realistisch.

Samstag, 4. Februar 2017

Sparfuchs

Auf dem Hinweg nicht für 1,419 getankt
Auf dem Rückweg für 1,379 natürlich schon.
14 Liter - und an der Kasse
auf Zwanzig aufgerundet.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Glücksjahr 2016

Fast alle persönlichen Rückblicke, die ich gelesen habe,
waren eher (oder sogar komplett) negativ.
Darum habe ich auch gehadert, diesen post zu schreiben...
... im Sinne von " Freut mich für dich,
aber jetzt halt besser die Klappe und zisch ab!"
Aber was soll's?

 2015 hatte eine Katastrophe nach der anderen für mich parat.
Gespickt mit kleinem Unbill aller Art, garniert mit finanziellen Unwägbarkeiten
und teils so andauernd, dass ich meinen Humor verlor.
Das ist für mich in etwa so, als würde mir ein Liter Blut
nach dem nächsten abgezapft.
Ich war nur noch genervt, stinksauer, unruhig.
und gleichzeitig platt,müde,antriebslos,beherrscht.

Es blieb bis Anfang 2016 übel.
Dann, im Februar der Glücksfall, der mir quasi in den Schoß fiel.
Ohne es detailierter auszuführen - das Ergebnis war
ein "Geldberg", der zwei Jahre sämtliche Lebenshaltungskosten decken würde,
ohne einen weiteren Finger zu krümmen.
Völlig legal !

Zwischen 1995 und 2014 gab es viele Jahre,
bei denen ich in der dritten Woche jeden Monats nicht wußte,
wie ich die Daueraufträge vom nächsten Ersten zusammenkratzen soll.
4 - 6 Wochen "in Sicherheit" zu sein, war schon sehr phantastisch.
Nun sollen es zwei Jahre sein?

Anfangs dachte ich, "Das geht nicht gut!"
Bei so einer Portion Glück, läßt die entsprechende Menge Pech
bestimmt nicht lange auf sich warten, da bin ich abergläubisch.

Aber...
Letztes Jahr war toll.
Nachdem ich mich eingekriegt hatte,
konnte ich vergessene Wünsche erfüllen.
Ich nahm eine schon länger ruhende Einladung zu  einem Pokerspiel
mit , auf den ersten Blick, zwie - drielichtigen Typen an,
die sich alle als nett erwiesen - obwohl ich einen Teil
ihrer Kohle einsackte.
Seit einer Ewigkeiten war ich mal wieder im Casino,
auch dort mit einem feinen Plus und den Heiratsanträgen
von zwei sehr lustigen,asiatischen Omis in der Tasche.

Ein besonderes Tele, dass ich mal (mit Herzschmerz)
in einer dieser "dritten Wochen" verkaufen mußte,
habe ich mir wieder angeschafft.

Fast wäre es auch zum Tontauben schießen gekommen...
...vielleicht in diesem Jahr. Das wollte ich schon immer probieren.

Ich hatte soviel Zeit, wie noch nie zuvor.
Für den Garten, für's Kochen, für mich,
für einfach in den Kamin gaffen und dann Mittagsschläfchen.

Mancher Stress aus 2015 wird bleiben, für lange, aber händelbar.
Einiges hat sich geklärt oder ist nur noch gedämpft im Hinterkopf.

Von Zeit zu Zeit bekomme ich einen kurzen Flash,
was wohl in 11 Monaten ist.
Der geht immer flott vorbei.
Wer weiß schon, was nächste Woche ist,
geschweigeden in 2018.

Hätte mich Ende 2015 jemand gefragt,
wo ich mich in zwei Monaten sehe,
wäre ich vermessen genug gewesen,
eine Behauptung aufzustellen.
So ein Blödsinn.
Keiner weiß, wohin die Reise wirklich geht.

In dem Sinne :
https://www.youtube.com/watch?v=7kPsrR0Y8WU

Dienstag, 24. Januar 2017

Montag, 23. Januar 2017

realize it

Kennt Ihr dieses innerliche Zusammenzucken,
wenn man ins Bad geht, Licht anknipst
und dann sitzt da eine dicke Spinne an der Wand?

Genau so geht es mir momentan, wenn ich unerwartet
ein Bild des neuen US Präsidenten sehe.

Am liebsten hätte ich, dass jemand ein großes Glas
und eine große Postkarte nimmt und den Typen
wieder raus in den Garten bringt.

Dienstag, 17. Januar 2017

IMM Cologne


Wer noch beruflich dort hin muss,
oder sogar freiwillig privat gucken geht....:
Es wird noch so aussehen, wie vor fünf Jahren.


Los geht´ s in einer imaginären Kleinstadt am Niederrhein – nennen wir sie Geldern –
mit dem ebenso imaginären Ziel Möbelmesse Köln.

Wenn viele Bekloppte (incl. mir) in eine Richtung wollen , ist mir lieber, es sitzt nur einer am Steuer, darum wähle ich die Bahn als Transporter.

8.00 Uhr am Bahnhof zu sein ist human, wären da nicht diverse Handicaps: Ich bin grippig und durch einen Migräne-Flash am Vorabend hoch sensibilisiert für Licht und jede Form von Geräusch.
Ein Kran hievt mich aus dem Bett. Das Frühstück besteht aus starkem Kaffee, Kippen und einer handvoll Pillen, die den Probanden 8 Stunden rotzefrei halten sollen.
Das Reisegepäck ist schnell verstaut. Kamera, Tele für die Stände mit dem „nicht fotografieren“ -Schild, eine gebundene Ausgabe von T.C. Boyle für 3 Stunden Zugfahrt, Notizbuch, der Schokoriegel für Unterzuckerungsnotfälle, diverser Kleinkram wie jede Menge Taschentücher, insgesamt ein halber Rucksack Material.

Auf dem Bahnsteig begrüßt mich ein derber Wind, ich befürchte den restlichen Tag mit
Howard Carpendales Frisur zu verbringen.
Der Zug ist pünktlich, nicht zu voll und sogar geheizt.
Umsteigen in Krefeld, der Zug ist brechend voll feuchter Pendler, das Klima erinnert mich
spontan an eine geschlossene Primatenabteilung.
Die 10 wichtigsten Virenstämme haben sich hier versammelt, um sich in die 10 kommenden, wichtigsten Virenstämme zu verwandeln.
Ich werde versuchen, eine Stunde nicht zu atmen.

Immerhin ergattere ich einen Sitzplatz und schaffe 30 Seiten Boyle, bevor mich ein Schutzreflex davon abhält, dem Typ zwei Sitze weiter mit dem Buchrücken das Nasenbein zu brechen. Nicht mal seine Begleitung scheint die müde Geschichte zu interessieren, die er da über den halben Zug verteilt.
Die letzten 10 Seiten werde noch mal lesen müssen.

Köln Deutz, ein Katzensprung bis zur Messe. Ich will zurück in mein Bett.
Nach den ca. 40 Stufen rauf bis zum Eingang Süd erwarte ich die Titelmusik von „Rocky I“.

17,- Eintritt, Jacke abgeben? Besser nicht.
Auf dem kompletten Gelände herrscht Rauchverbot, man darf trotz gültigen Tickets nicht kurz raus und dann wieder rein. Ich fühle mich benachteiligt und werde vorsichtshalber nervös.
8 Hallen mit 1200 Ausstellern – auf geht’s.



Warten auf den Funken, die eine Szene, die den nächsten Stunden den gewissen Touch gibt.
Flow.

Nach 30 Metern die erste griffige Nummer: Kein Schwein weit und breit aber ein Haufen Anordnungen.

Jetzt nur nicht auf der falschen Fährte bleiben.
Nach einer Stunde schlendern bin ich nass geschwitzt, packe kurzerhand die Joppe, die ich unter der Jacke trage, in den Rucksack, der daraufhin aussieht, als hätte ich einen Medizinball dabei. Und sich mit Buch und Tele und einigen Werbeprospekten auch so trägt.
Langsam brauch ich ´ne Fluppe, ein sicheres Zeichen für die aufkommende Langeweile.

Es ist nichts zu sehen, was mich auch nur minimal inspiriert, ankickt, anschreit, in die Seite knufft.
Hier und dort eine mutige Farbe, eine sehr geschmeidige Form, immer gepaart mit einem Herrn, der einen möglichst unauffällig beobachtet, wenn man im Vorbeigehen die Geschwindigkeit reduziert.
Das Tele hätte ich mir sparen können; die Produzenten, die das „Nicht fotografieren- Schild“
ausliegen haben, sind zu 90 Prozent die mit den durchschnittlichsten Produkten.

Auf dem Weg in die nächste Halle, ich bekomme Hunger. Ein belegtes Brötchen und der schlechteste Kaffee der Welt für 6,80 Euro.
Während ich kaue, mache ich die Entdeckung des Tages: 50 Meter rechts ist ein Schleusenausgang zur nächsten Halle. Dort steht nicht nur eine freundliche Dame, die Schirme für den ungemütlichen Weg verteilt sondern auch ein Haufen Raucher!
Halleluja!
Die Schleusentore sind mehr auf als zu, der Regen fegt herein, verwirbelt sich mit der Abluft der Klimaanlage zu einem satten Gemisch aus Legionärskrankheit und Tabakqualm.
Ich fühl mich gut aufgehoben.

So gegen 14.00 Uhr stelle ich fest, dass die beeindruckendsten Design – Ideen sich hinter den Ständen befinden.

Gerade als ich beschließe, meine Tour ausklingen zu lassen, läuft mir mein Auftraggeber über den Weg. Also, die Wahrscheinlichkeit hätte ich gerne mal ausgerechnet!
Wir essen einen Happen an einem Stehtisch, auf Barhockern sitzend, die sich irgendein Schwachkopf ausgedacht hat. Um nicht herunterzurutschen, muss man seine Füße um eine Stange schlingen, die als Fußstütze schlicht komplett ungeeignet ist. Mir fällt auf der Stelle Mr. Bean ein.
Es tut gut über die anderen Besucher zu lästern, z.B. die Lehrer, die alle im selben Lehrerverkleidungsgeschäft eingekauft haben, oder die duften Typen, die den Schal auf die für Männer neue Art tragen: Beide Enden durch die entstehende Schlaufe schieben.
Leute, steckt euch doch gleich noch so´ n Cocktail-Schirmchen in ´s Resthaar !

Für heute reicht´ s, noch 30 Minuten, bis der Zug kommt.
Schnell noch pinkeln.
Damit es noch mehr nach Pisse riecht, hat ein cleverer Geschäftsmann diese Idee gehabt:



Mein untrüglicher Orientierungssinn bringt mich sicher zum Ausgang. Leider ist es der
Ausgang Ost!
Da ich mittlerweile die Joppe wieder unter die Jacke gezogen habe, bringt mein unauffälliger Spurt zum Bahnhof durch den Ausgang Süd meine Körpertemperatur auf 40 C.
Halb so wild – der Bahnhof Deutz ist so konstruiert, das Scott und Amundsen sich zuhause gefühlt hätten. Ein steifer Nordost verlangt den Wartenden einiges ab und kühlt mich auf 30 C runter.

Kurz bevor der Zug einfährt, sehe ich aus dem Augenwinkel einen hünenhaften Kerl erscheinen. Geschätzte 110 Kilo auf etwas über 2 Meter verteilt und kein Gramm Fett, dazu eine auffallend bunte Jacke und Bürstenhaarschnitt.
Alles in allem wie der schmerzunempfindliche Riese aus den Stieg Larsson – Verfilmungen, nur 20 Jahre jünger.
Der erste Gedanke bei mir (und den Umstehenden):“Hoffentlich setzt der sich nicht neben mich!“
120 Passagiere steigen aus, 150 steigen ein, wer peilt den freien Platz neben mir an?
Die Wahrscheinlichkeit hätte ich dann bei der Gelegenheit auch gerne mal ausgerechnet.
„Passt schon“ sagt er, während ich meinen Rucksack evakuiere und setzt sich hin, ohne mich auch nur ganz leicht zu berühren. Respekt.

Mein letzter klarer Gedanke ist, dass erstaunlich viele Leute in Dormagen aussteigen.